Als vor rund acht Jahren der Förderverein „Migendt-Orgel Ringenwalde“ gegründet wurde, hätte keiner gedacht, dass es einerseits so lange dauern und andererseits dann so schnell gehen würde, dass diese Orgel in ihrer historischen Gestalt wieder erklingen würde.
Der Verein war nach einer Radio-Live-Sendung des ORB aus der Kirche zu Ringenwalde von Mitarbeitern des ORB, den Uckermärkischen Musikwochen und Einwohnern von Ringenwalde gegründet worden. Die avisierten Kosten stiegen zwar höher als erwartet, aber der kultur- und musikhistorische Wert des Instrumentes rechtfertigt vieles. Denn das Ringenwalder Instrument (1760) ist die einzig erhaltene Kirchenorgel Johann Peter Migendts, der als der bedeutendste Vermächtnisträger Joachim Wagners gilt.
Die Ringenwalder Kirche war damals schon saniert und restauriert worden, nur die Orgel war noch in einem beklagenswerten Zustand.
Schon der Umbau im Jahre 1913 war unglücklich, inzwischen wütete der Holzwurm im Instrument. Die historische Substanz war arg entstellt. Die außerordentliche Bedeutung des Instrumentes machte es aber zwingend notwendig, diese Orgel zu restaurieren und teilweise auch zu rekonstruieren auf den Zustand des spätbarocken Erbauungszustandes. Nicht einmal der ehemalige Orgelsachverständige des Konsistoriums hatte bis dahin erkannt, dass es sich bei den Prospektpfeifen um die originalen aus dem Jahre 1760 handelt, was eine äußerste Seltenheit ist. Im Ersten Weltkrieg waren viele Prospekte der Ablieferungspflicht
zum Opfer gefallen. Aber ca. 80 Prozent des originalen Pfeifenbestandes blieben erhalten. Lediglich die mechanische Lade und die ursprüngliche Traktur gingen beim Umbau von 1913 verloren; das Gehäuse wurde zwar erweitert, blieb jedoch wie die Balganlage erhalten.
Ursprünglich hatte das Instrument ohne Pedal nur neun Register, besaß aber die für die Wagner-Schule üblichen beweglichen Posaunenengel und den Zimbelstern. Entsprechend der heutigen musikalischen Praxis entschied man jetzt, ein Pedal hinzuzufügen, das aber als neuzeitliche Zugabe kenntlich ist. Es orientiert sich an – wenn auch nicht mehr vorhandenen, aber bekannten – originalen Pedaldispositionen Migendts in Stettin. Die 1913 eingebauten, inzwischen auch schon fast historischen Register von
Kienscherf werden für künftige Generationen verwahrt.
Die originale und historische Balganlage wurde durch die Firma Hüfken (Halberstadt) restauriert; den Auftrag zur Restaurierung und Teilrekonstruktion des Werkes erhielt die Firma Rühle (Moritzburg). Dank großzügiger Spenden und Unterstützungen durch den Landkreis Uckermark, die Dr. Oetker-Stiftung, Werner Otto und viele private Sponsoren war es erst möglich, das Projekt in die Wege zu leiten. Mit diversen Benefizkonzerten förderten die Restaurierung auch Mitglieder der Deutschen Oper Berlin und der Berliner Singakademie, das Berliner Musikinstrumentenmuseum, das Leonardi-Quartett, der australische
Filmmusikkomponist George Dreyfus und andere. Allerdings fehlt noch immer eine beträchtliche Summe, um auch die farbliche Fassung der Orgel durch die Firma Prückner (Ringenwalde/Berlin) wieder herzustellen.
Die Arbeiten an der Orgel werden begleitet von einer fachkompetenten, beratenden Gruppe von Organisten, Orgelbauern und Orgelsachverständigen. Selbstverständlich sind auch die Untere Denkmalschutzbehörde und das Landes-Denkmalamt einbezogen.
Am 9. September wird die Ringenwalder Migendt-Orgel mit einem Festgottesdienst (Beginn 14 Uhr) und einem Posaunen- und Orgelkonzert eingeweiht. Es folgt ein regelrechter „Musik-Marathon“ mit einzelnen Konzerten und den Ringenwalder Musiktagen unter der Leitung von Armin Thalheim (s. nebenstehende Termine).
Heiko Schwichtenberg
Die Migendt-Orgel in Ringenwalde
Die Ringenwalder Dorfkirche birgt ein wertvolles Kulturgut: den umfangreichsten Originalbestand der einzigen, noch erhaltenen Kirchenorgel aus der Hand Peter Migendts (um 1703–1767).
Migendt gilt als der bedeutendste Schüler Joachim Wagners. Die Orgel in Ringenwalde wurde von ihm im Auftrag des „Herrn Obrist von Ahlimb“ 1760 erbaut. Durch Dokumentenfunde und Untersuchungen von Wolf Bergelt wurde 1985 zweifelsfrei Migendt als alleiniger Erbauer der Orgel erkannt. Trotz erfolgter Pneumatisierung und Erweiterung der Orgel durch Albert Kienscherf (1913) sind etwa 80% des originalen Pfeifenbestandes samt üppigem Orgelprospekt mit beweglichen Trompetenengeln erhalten. Die ursprüngliche Registerkonzeption ist ebenfalls überliefert, so dass auf Grund der günstigen Voraussetzungen eine Restaurierung und Teilrekonstruktion des Instrumentes erfolgen konnte.
Die Orgelbau-Firma Wieland Rühle aus Moritzburg übernahm 2006 die aufwendigen Arbeiten und stellte die ursprüngliche, mechanische Orgel wieder her. Es erfolgten gegenüber dem Original einige sinnvolle Ergänzungen, die aus weiteren, nicht mehr erhaltenen Migendt-Werken überliefert sind, so der Einbau einer Trompete im Manual (zugehörig zu den Trompetenengeln) und der Neubau von drei Pedalregistern. Die jetzt begonnenen Restaurierungsarbeiten am Originalprospekt werden auch nach der Wiedereinweihung der Orgel andauern.
Armin Thalheim