Geschichte:
Das erste orgelähnliche Instrument stammt wahrscheinlich aus dem 3. Jahrhundert v.u.Z. Dabei handelt es sich um eine Wasserorgel, die sogenannte Hydraulis, bei der der Winddruck durch Wasserverschluß reguliert wird, Ein früher Vorläufer ist auch die Scheng, ein tragbares chinesisches Blasinstrument. Bereits im 7./8. Jahrhundert gelangten Orgeln aus Byzanz an deutsche Kaiserhöfe. Seit der Karolingerzeit war man bemüht, Gottesdienste musikalisch-künstlerisch zu gestalten. In großen Kirchen hielt die Orgel Einzug. Im 14./15, Jahrhundert kam das sogenannte Wellenbrett auf, das die Grundlage für die noch heute übliche Manualtastatur bildete. Aus dieser Zeit stammt auch die Einteilung der zu einem Ton gehörenden Pfeifen in einzeln zuschaltbare Register und die Verteilung der Register auf einzelne Teilwerke (Disposition).
Parallel zu den Großorgeln kamen kleinere Instrumente auf. Dazu gehörten z.B. das Portativ, das Positiv (Kleinorgel mit wenigen Registern) und das Regal (Kleinstorgel mit nur einem einzigen Register). Im 17./18. Jahrhundert entstanden bedeutende regionale Orgelschulen, so in Norddeutschland, in Mitteldeutschland und in Süddeutschland. Vor allem hinsichtlich ihrer klanglichen Möglichkeiten war das die Blütezeit des Orgelbaus. Das 19. Jahrhundert brachte die vor allem in Deutschland forcierte orchestrale Orgel, der die Franzosen einen ganz eigene virtuose Klang- und Spielweise entgegensetzten. Zu Beginn des 20. Jh. initiierten Albert Schweitzer und Ernst Rupp die „Elsässische Orgelreform“ mit dem Ziel, weg von den Fabrikorgeln wieder zu den reinen Bachschen Klangidealen der Orgelbaukunst des 18. Jahrhunderts zurückzukehren. Erst seit den 60er Jahren des 20. Jh. knüpft man wieder an die bis dahin verpönten Klänge des 19. Jahrhunderts an.
Die größten Orgeln der Welt befinden sich übrigens in Atlantic City/USA, im Mormonentempel von Salt Lake City/Utah und im Passauer Dom. Die einzige Bambusorgel der Welt steht in Manila/Philippinen. Ein Extrakapitel bilden die einzigartigen Kinoorgeln der Stummfilmzeit, deren größte die „Mighty Wurlitzer“ war.
Technik:
Orgel: Tasteninstrument aus der Gattung der Aerophone. Die Töne der Orgel werden durch zwei Pfeifenarten, den Labial- oder Lippenpfeifen und den Lingual- oder Zungenpfeifen erzeugt, die von einem Spieltisch über Tasten-, Pedal- und Registerzugsysteme mittels gleichbleibendem Winddruck zum Klingen gebracht werden. Die Orgel gliedert sich in die Hauptgruppen Windwerk, Regierwerk und Pfeifenwerk.
Register: Bezeichnung für die unterschiedlichen Klangfarben, die vom Spieltisch bzw. per Pedal unter dem Manual abgerufen werden können
Manual: Bezeichnung für den Spieltisch mit klavierähnlicher Tastatur (bei größeren Instrumenten mehretagig)
Windwerk: dient der Erzeugung eines konstanten Winddrucks. Früher durch Schöpfbälge, die der Kalkant mit seinen Füßen bedienen mußte, heute durch elektrische Gebläse.
Windladen: rechteckige Holzkästen mit kreuzförmigen Verteilkerkanälen zu den Registern (Tonkanzellen) und das Herzstück der Orgel.
Regierwerk: Spielwerk der Orgel, das aus einem oder mehreren stufenförmig übereinander angeordneten Manualtastaturen mit jeweils 56 Tasten besteht. Unter dem Spieltisch ist das Pedal, das etwas 30 Töne umfasst und wie eine Klaviertastatur angeordnet ist.
Schwellwerk. Spezielles Teilwerk, dessen Pfeifengruppen in einem geschlossenen Geschränk stehen, das an der Vorderseite durch Jalousien kontinuierlich geöffnet und geschlossen werden kann.
Setzerkombination: Programmiermöglichkeit für frei wählbare Registerkombinationen moderner Orgeln, die während des Spiels per Knopfdruck abgerufen werden
Orgelwalze: Spielhilfe, eine mit dem Fuß zu bedienende Rolle, mit deren Hilfe der Organist in festgelegter Reihenfolge Register ziehen kann.
Pfeifenwerk: teilt sich in die einzelnen Register. Jedes Register enthält eine Zahl von Pfeifen gleicher Klangfarbe, die je einem Ton auf dem Manual/Pedal zugeordnet sind.
Rückpositiv: meist kleineres Teilwerk der Orgel, das in die Emporenbrüstung eingelassen ist und sich im Rücken des Organisten befindet
Brustwerk: befindet sich in Brusthöhe des Spielers unter dem Hauptwerk
Hauptwerk: bildet den Grundstock des Pfeifenwerks und enthält die hauptsächlichen Registertypen
Oberwerk: liegt über dem Hauptwerk und darüber in seltenen Fällen das Kronwerk, das direkt an den Gewölbescheitel grenzt
Disposition: Verteilung aller Register einer Orgel auf die einzelnen Teilwerke
Pfeifentypen: unterschieden in zwei Hauptklassen
* Labial- oder Lippenpfeifen, bei denen die in der Pfeife befindliche Luftsäule durch den aus einer Kernspalte am Labium austretenden Windstrom in Schwingungen versetzt wird und die
* Lingual- oder Zungenpfeifen, bei denen der Ton durch eine im Luftstrom vibrierende Metallzunge erzeugt wird
Mensur: das jeweilige Verhältnis von Länge und Durchmesser der in einem Register enthaltenen Pfeifen
Material: hauptsächlich werden neben diversen Hölzern (Holzpfeifen werden fast nur im Innern des Instruments verwendet) das sogenannte Orgelmetall (Blei-Zinn-Legierung, die zu dünnen Tafeln gegossen wird, aus denen dann die Pfeifen gerollt und verlötet werden) sowie Kupferblech eingesetzt.
Königin der Instrumente: Bereits eine mittlere Orgel verfügt über fast unzählige Klangkombinationen, die alle von ein und demselben Spieler über das Regierwerk erzeugt werden können. Dieser Umstand hat der Orgel ihren Beinamen eingebracht.