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Einweihung

Als vor rund acht Jahren der Förderverein „Migendt-Orgel Ringenwalde“ gegründet wurde, hätte keiner gedacht, dass es einerseits so lange dauern und andererseits dann so schnell gehen würde, dass diese Orgel in ihrer historischen Gestalt wieder erklingen würde.
Der Verein war nach einer Radio-Live-Sendung des ORB aus der Kirche zu Ringenwalde von Mitarbeitern des ORB, den Uckermärkischen Musikwochen und Einwohnern von Ringenwalde gegründet worden. Die avisierten Kosten stiegen zwar höher als erwartet, aber der kultur- und musikhistorische Wert des Instrumentes rechtfertigt vieles. Denn das Ringenwalder Instrument (1760) ist die einzig erhaltene Kirchenorgel Johann Peter Migendts, der als der bedeutendste Vermächtnisträger Joachim Wagners gilt.
Die Ringenwalder Kirche war damals schon saniert und restauriert worden, nur die Orgel war noch in einem beklagenswerten Zustand.

Schon der Umbau im Jahre 1913 war unglücklich, inzwischen wütete der Holzwurm im Instrument. Die historische Substanz war arg entstellt. Die außerordentliche Bedeutung des Instrumentes machte es aber zwingend notwendig, diese Orgel zu restaurieren und teilweise auch zu rekonstruieren auf den Zustand des spätbarocken Erbauungszustandes. Nicht einmal der ehemalige Orgelsachverständige des Konsistoriums hatte bis dahin erkannt, dass es sich bei den Prospektpfeifen um die originalen aus dem Jahre 1760 handelt, was eine äußerste Seltenheit ist. Im Ersten Weltkrieg waren viele Prospekte der Ablieferungspflicht
zum Opfer gefallen. Aber ca. 80 Prozent des originalen Pfeifenbestandes blieben erhalten. Lediglich die mechanische Lade und die ursprüngliche Traktur gingen beim Umbau von 1913 verloren; das Gehäuse wurde zwar erweitert, blieb jedoch wie die Balganlage erhalten.

Ursprünglich hatte das Instrument ohne Pedal nur neun Register, besaß aber die für die Wagner-Schule üblichen beweglichen Posaunenengel und den Zimbelstern. Entsprechend der heutigen musikalischen Praxis entschied man jetzt, ein Pedal hinzuzufügen, das aber als neuzeitliche Zugabe kenntlich ist. Es orientiert sich an – wenn auch nicht mehr vorhandenen, aber bekannten – originalen Pedaldispositionen Migendts in Stettin. Die 1913 eingebauten, inzwischen auch schon fast historischen Register von
Kienscherf werden für künftige Generationen verwahrt.

Die originale und historische Balganlage wurde durch die Firma Hüfken (Halberstadt) restauriert; den Auftrag zur Restaurierung und Teilrekonstruktion des Werkes erhielt die Firma Rühle (Moritzburg). Dank großzügiger Spenden und Unterstützungen durch den Landkreis Uckermark, die Dr. Oetker-Stiftung, Werner Otto und viele private Sponsoren war es erst möglich, das Projekt in die Wege zu leiten. Mit diversen Benefizkonzerten förderten die Restaurierung auch Mitglieder der Deutschen Oper Berlin und der Berliner Singakademie, das Berliner Musikinstrumentenmuseum, das Leonardi-Quartett, der australische
Filmmusikkomponist George Dreyfus und andere. Allerdings fehlt noch immer eine beträchtliche Summe, um auch die farbliche Fassung der Orgel durch die Firma Prückner (Ringenwalde/Berlin) wieder herzustellen.

Die Arbeiten an der Orgel werden begleitet von einer fachkompetenten, beratenden Gruppe von Organisten, Orgelbauern und Orgelsachverständigen. Selbstverständlich sind auch die Untere Denkmalschutzbehörde und das Landes-Denkmalamt einbezogen.

Am 9. September wird die Ringenwalder Migendt-Orgel mit einem Festgottesdienst (Beginn 14 Uhr) und einem Posaunen- und Orgelkonzert eingeweiht. Es folgt ein regelrechter „Musik-Marathon“ mit einzelnen Konzerten und den Ringenwalder Musiktagen unter der Leitung von Armin Thalheim (s. nebenstehende Termine).

Heiko Schwichtenberg
Die Migendt-Orgel in Ringenwalde

Die Ringenwalder Dorfkirche birgt ein wertvolles Kulturgut: den umfangreichsten Originalbestand der einzigen, noch erhaltenen Kirchenorgel aus der Hand Peter Migendts (um 1703–1767).

Migendt gilt als der bedeutendste Schüler Joachim Wagners. Die Orgel in Ringenwalde wurde von ihm im Auftrag des „Herrn Obrist von Ahlimb“ 1760 erbaut. Durch Dokumentenfunde und Untersuchungen von Wolf Bergelt wurde 1985 zweifelsfrei Migendt als alleiniger Erbauer der Orgel erkannt. Trotz erfolgter Pneumatisierung und Erweiterung der Orgel durch Albert Kienscherf (1913) sind etwa 80% des originalen Pfeifenbestandes samt üppigem Orgelprospekt mit beweglichen Trompetenengeln erhalten. Die ursprüngliche Registerkonzeption ist ebenfalls überliefert, so dass auf Grund der günstigen Voraussetzungen eine Restaurierung und Teilrekonstruktion des Instrumentes erfolgen konnte.

Die Orgelbau-Firma Wieland Rühle aus Moritzburg übernahm 2006 die aufwendigen Arbeiten und stellte die ursprüngliche, mechanische Orgel wieder her. Es erfolgten gegenüber dem Original einige sinnvolle Ergänzungen, die aus weiteren, nicht mehr erhaltenen Migendt-Werken überliefert sind, so der Einbau einer Trompete im Manual (zugehörig zu den Trompetenengeln) und der Neubau von drei Pedalregistern. Die jetzt begonnenen Restaurierungsarbeiten am Originalprospekt werden auch nach der Wiedereinweihung der Orgel andauern.

Armin Thalheim

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Kleine Orgelgeschichte

Geschichte:

Das erste orgelähnliche Instrument stammt wahrscheinlich aus dem 3. Jahrhundert v.u.Z. Dabei handelt es sich um eine Wasserorgel, die sogenannte Hydraulis, bei der der Winddruck durch Wasserverschluß reguliert wird, Ein früher Vorläufer ist auch die Scheng, ein tragbares chinesisches Blasinstrument. Bereits im 7./8. Jahrhundert gelangten Orgeln aus Byzanz an deutsche Kaiserhöfe. Seit der Karolingerzeit war man bemüht, Gottesdienste musikalisch-künstlerisch zu gestalten. In großen Kirchen hielt die Orgel Einzug. Im 14./15, Jahrhundert kam das sogenannte Wellenbrett auf, das die Grundlage für die noch heute übliche Manualtastatur bildete. Aus dieser Zeit stammt auch die Einteilung der zu einem Ton gehörenden Pfeifen in einzeln zuschaltbare Register und die Verteilung der Register auf einzelne Teilwerke (Disposition).

Parallel zu den Großorgeln kamen kleinere Instrumente auf. Dazu gehörten z.B. das Portativ, das Positiv (Kleinorgel mit wenigen Registern) und das Regal (Kleinstorgel mit nur einem einzigen Register). Im 17./18. Jahrhundert entstanden bedeutende regionale Orgelschulen, so in Norddeutschland, in Mitteldeutschland und in Süddeutschland. Vor allem hinsichtlich ihrer klanglichen Möglichkeiten war das die Blütezeit des Orgelbaus. Das 19. Jahrhundert brachte die vor allem in Deutschland forcierte orchestrale Orgel, der die Franzosen einen ganz eigene virtuose Klang- und Spielweise entgegensetzten. Zu Beginn des 20. Jh. initiierten Albert Schweitzer und Ernst Rupp die „Elsässische Orgelreform“ mit dem Ziel, weg von den Fabrikorgeln wieder zu den reinen Bachschen Klangidealen der Orgelbaukunst des 18. Jahrhunderts zurückzukehren. Erst seit den 60er Jahren des 20. Jh. knüpft man wieder an die bis dahin verpönten Klänge des 19. Jahrhunderts an.

Die größten Orgeln der Welt befinden sich übrigens in Atlantic City/USA, im Mormonentempel von Salt Lake City/Utah und im Passauer Dom. Die einzige Bambusorgel der Welt steht in Manila/Philippinen. Ein Extrakapitel bilden die einzigartigen Kinoorgeln der Stummfilmzeit, deren größte die „Mighty Wurlitzer“ war.

Technik:

Orgel: Tasteninstrument aus der Gattung der Aerophone. Die Töne der Orgel werden durch zwei Pfeifenarten, den Labial- oder Lippenpfeifen und den Lingual- oder Zungenpfeifen erzeugt, die von einem Spieltisch über Tasten-, Pedal- und Registerzugsysteme mittels gleichbleibendem Winddruck zum Klingen gebracht werden. Die Orgel gliedert sich in die Hauptgruppen Windwerk, Regierwerk und Pfeifenwerk.

Register: Bezeichnung für die unterschiedlichen Klangfarben, die vom Spieltisch bzw. per Pedal unter dem Manual abgerufen werden können

Manual: Bezeichnung für den Spieltisch mit klavierähnlicher Tastatur (bei größeren Instrumenten mehretagig)

Windwerk: dient der Erzeugung eines konstanten Winddrucks. Früher durch Schöpfbälge, die der Kalkant mit seinen Füßen bedienen mußte, heute durch elektrische Gebläse.

Windladen: rechteckige Holzkästen mit kreuzförmigen Verteilkerkanälen zu den Registern (Tonkanzellen) und das Herzstück der Orgel.

Regierwerk: Spielwerk der Orgel, das aus einem oder mehreren stufenförmig übereinander angeordneten Manualtastaturen mit jeweils 56 Tasten besteht. Unter dem Spieltisch ist das Pedal, das etwas 30 Töne umfasst und wie eine Klaviertastatur angeordnet ist.

Schwellwerk. Spezielles Teilwerk, dessen Pfeifengruppen in einem geschlossenen Geschränk stehen, das an der Vorderseite durch Jalousien kontinuierlich geöffnet und geschlossen werden kann.

Setzerkombination: Programmiermöglichkeit für frei wählbare Registerkombinationen moderner Orgeln, die während des Spiels per Knopfdruck abgerufen werden

Orgelwalze: Spielhilfe, eine mit dem Fuß zu bedienende Rolle, mit deren Hilfe der Organist in festgelegter Reihenfolge Register ziehen kann.

Pfeifenwerk: teilt sich in die einzelnen Register. Jedes Register enthält eine Zahl von Pfeifen gleicher Klangfarbe, die je einem Ton auf dem Manual/Pedal zugeordnet sind.

Rückpositiv: meist kleineres Teilwerk der Orgel, das in die Emporenbrüstung eingelassen ist und sich im Rücken des Organisten befindet

Brustwerk: befindet sich in Brusthöhe des Spielers unter dem Hauptwerk

Hauptwerk: bildet den Grundstock des Pfeifenwerks und enthält die hauptsächlichen Registertypen

Oberwerk: liegt über dem Hauptwerk und darüber in seltenen Fällen das Kronwerk, das direkt an den Gewölbescheitel grenzt

Disposition: Verteilung aller Register einer Orgel auf die einzelnen Teilwerke

Pfeifentypen: unterschieden in zwei Hauptklassen

* Labial- oder Lippenpfeifen, bei denen die in der Pfeife befindliche Luftsäule durch den aus einer Kernspalte am Labium austretenden Windstrom in Schwingungen versetzt wird und die
* Lingual- oder Zungenpfeifen, bei denen der Ton durch eine im Luftstrom vibrierende Metallzunge erzeugt wird

Mensur: das jeweilige Verhältnis von Länge und Durchmesser der in einem Register enthaltenen Pfeifen

Material: hauptsächlich werden neben diversen Hölzern (Holzpfeifen werden fast nur im Innern des Instruments verwendet) das sogenannte Orgelmetall (Blei-Zinn-Legierung, die zu dünnen Tafeln gegossen wird, aus denen dann die Pfeifen gerollt und verlötet werden) sowie Kupferblech eingesetzt.

Königin der Instrumente: Bereits eine mittlere Orgel verfügt über fast unzählige Klangkombinationen, die alle von ein und demselben Spieler über das Regierwerk erzeugt werden können. Dieser Umstand hat der Orgel ihren Beinamen eingebracht.

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Gut Ringenwalde

Der Gutsbezirk Ringenwalde war über mehrere Jahrhunderte im Besitz der Familie derer von Ahlimb. Aber es gab in der Gemarkung immer auch einen größeren Anteil von Bauernhöfen.

Der Name von Ahlimb wird im Zusammenhang mit der Geschichte der Uckermark öfter genannt; z. B. die Ehefrau des Baumeisters Friedrich Wilhelm von Erdmannsdorff (1736 – 1800), Eleonore Wilhelmine, war eine Geborene von Ahlimb. Sie kam als Hofdame der Henriette Wilhelmine Luise Fürstin von Anhalt-Dessau, geb. Prinzessin von Brandenburg-Schwedt (1750 – 1811), nach Dessau / Wörlitz. Die von Ahlimb gehörten jedoch nicht zu den großen Adelsfamilien der Mark.

Das Dorf Ringenwalde liegt an der alten Landstrasse von Angermünde nach Templin, in der Mitte zwischen beiden Städten. Es war bis ins 18. Jh. Ausspanne und Herbergsort der durchziehenden Kaufleute. Daraus erwuchsen dem Ort in der Vergangenheit ein gewisse zentrale Rolle und ein wirtschaftlicher Vorteil.

Nach 1800 verlor diese Verkehrader rasch an Bedeutung (heute nur noch Wanderweg). Die reizvolle Landschaft um Ringenwalde wird geprägt durch die Hügelkette des Ringenwalder Endmoränenbogens, durch zahlreiche Seen und wildreiche Wälder. Die Landwirtschaft in der Region brachte es stets nur auf mittlere Erträge.

Beides, die stabilen Besitzverhältnisse und die zeitweilig geringe Wirtschaftskraft des Gutes, stehen zum Bau und dem heutigen Bestand der Migendt-Orgel in Bezug. Das Repräsentationsstreben des Gutsherrn und Kirchenpatrons Mitte des 18. Jh. war ein Grund für den Auftrag an Johann Peter Migendt; fehlendes Geld hat in späterer Zeit größere Eingriffe in das Instrument verhindert. Zumal bis um 1800 die Söhne des Adels fast sämtlich die Militärlaufbahn einschlugen und die Güter meist die wichtigste Basis für ihre oft aufwendige Lebenshaltung bildeten. Verschuldungen waren nicht selten. Einen gewissen Schutz bildete die alte Rechtsform und Erbfestlegung des Majorats. Der Besitz war unteilbar und unverkäuflich; das Erbe ging jeweils an den Ältesten. Wirtschaftsschwache Güter konnten unter Kuratel gestellt und bei ihrer Sanierung beratend begleitet werden.

Die Stiftung des Majorates Ringenwalde erfolgte, nach der Familienchronik der von Ahlimb, im Jahre 1740 durch den Königlich Preußischen Obristen, Bernd Friedrich von Ahlimb. Er war auch Bauherr des 1740/41 durch einen italienischen Architekten erbauten Schlosses zu Ringenwalde sowie des barocken Schlossgartens. Nach seinem Tod ließ sein Bruder Joachim Wilhelm von Ahlimb, Kommandeur des Regiments zu Regenstein, am 2. Januar 1751 in einem Succesionsvertrag das Majorat für sich bestätigen. Er war auch der Auftraggeber für die neue Orgel, die Migendt 1760 vollendete. Als der Majoratsherr 1763 starb, ging das Erbe an seinen noch minderjährigen Sohn Wilhelm Erdmann von Ahlimb (1747 – 1785), ab 1763 Fähnrich im Königlich Preußischen Infanterieregiment unter Generalmajor Johannes Jacob von Wunsch in Prenzlau. Aus dem erhaltenen Inventar von 1763 geht hervor, dass es auf dem Gut Ringenwalde Bücher im Gesamtwert von 30 Reichstaler, Gemälde im Wert von 541 RT und Statuen im Garten im Wert von 350 RT gab. Wilhelm Erdmann von Ahlimb und seine Ehefrau, geb. von Bredow, lebten über ihre Verhältnisse.
Als das Gut nach seinem Tod 1785 an den jüngeren Bruder, Rittmeister Gustav Andreas von Ahlimb (1750 – 1830), ging, war es hoch verschuldet und wurde unter Kuratel gestellt. Der Kurator, Friedrich Wilhelm von Arnim-Boitzenburg (1739 -1801), Wirklicher Geheimer Etats-, Kriegs- und dirigierender Minister und Vizepräsident des Generaldirektoriums, schlug vor, den wirtschaftlichen Schwerpunkt der Landnutzung auf die nachhaltige Forstwirtschaft zu legen. In den Hofbriefen des Kurators wird außerdem empfohlen, Gehorsam zu üben, keine Meuterei anzufangen, fleißig zur Kirche zu gehen, ein nüchternes Leben zu führen und liederliche Zusammenkünfte zu meiden.

Nach dem Beispiel des Forst-Mustergutes Harbke und der Anlage des Grafen von Schmettau in Garzau bei Berlin wurde südlich vom Gutshof der Landschaftsraum großräumig gestaltet. Das Zentrum bildete der noch in barocken Formen angelegte Forstgarten mit dem Wegestern. Aus Anlass der Hochzeit der Tochter, Luise Caroline Wilhelmine, im Jahre 1827 mit dem Königlichen Kammerherren Emil Hermann Edmund von Saldern (1801 – 1854) aus dem Hause Plattenburg, in Carolinen-Lust benannt. Das Besondere an dieser Gestaltung von Wirtschaftsflächen ist der harmonische Übergang von spätbarocken Formen zum freien Landschaftsstil  sowie das Einbeziehen des gesamten Landschaftsraumes.

Der Sohn des Kurators, Friedrich Abraham Wilhelm von Arnim-Boitzenberg (1767 – 1812; Schwager des Karl Freiherr vom und zum Stein), hatte als Erster das Amt des Chefpräsidenten des Forstdepartments in Preußen inne. Er förderte auch die regionale Forstwirtschaft.

Im Jahre 1830 wurde das Erbrecht zugunsten der Tochter geändert. Sie und ihr Ehemann waren die Auftraggeber für Peter Joseph Lenne´(1789 – 1866), der den Park schuf und die Parklandschaft weiterentwickelte.

Zwar gab es in späteren Zeiten Überformungen und Verluste, aber der erhaltene Bestand ist noch in Zusammenhängen erkenn- und erlebbar. Er bildet einen kulturhistorischen Rahmen und eine wichtige Ergänzung für die Migendt-Orgel in der Kirche, als Mittelpunkt eines Ensembles.

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Die Migentdorgel

Im Jahre 1760 stellte Johann Peter Migendt eine pedallose, einmanualige Orgel für die Dorfkirche in Ringenwalde fertig, die in einigen Details gestalterische Verwandtschaft mit der großen Wagner-Orgel in der Marienkirche zu Angermünde hat. In erst vor wenigen Jahrzehnten gefundenen Dokumenten lesen wir in dem am 25. Oktober 1760 verfaßten Abnahmeprotokoll des damaligen Joachimsthaler Organisten Christian Gottfried Böttcher: „…Also wird Herr Orgelbauer Peter Migandt hiermit zur … Wahrheit attestieret: Das er dieses Orgelwerk nicht nur contractmäßig nach guter Bauart und allem, was dem anhängig, angefertiget, sondern auch in allen Stimmen in einer nötigen Force und reinen Harmonie gesetzet, so das überhaupt dieses Werk vollkommen gut und tüchtig von ihm zum Ruhme verfertiget und kein Fehler daran befunden worden.“

Dem Besucher der Kirche fallen zunächst besonders die zwei Putten beiderseits der Wappenkartusche derer von Ahlimb auf dem Rückpositiv auf. Die Schnitzfiguren halten Posaunen in den Händen und haben bewegliche Arme. Über einen Seilzug kann der Organist die Putten “beleben”; ähnlich wie die trommelnden Engel an der Orgel in der Marienkirche zu Angermünde. Der Prospekt – die künstlerisch gestaltete Ansichtsseite der Orgel – ist mit Schnitzarbeit versehen und lässt die ursprünglich barocke Orgel erkennen (nur Manual mit acht Registern mit z. T. doppelten Registerzügen). Im Jahre 1891 wurde der Kirchturm abgetragen und neu errichtet. Damals stellte der Neuruppiner Orgelbauer Hollenbach die Keilbälge wieder auf. Im gleichen Jahr setzt Wilhelm Steffen aus Gerswalde das Instrument instand und nur zwei Jahre später baut er es gravierend um, so erfolgte der Einbau eines angehängten Pedals mit 18 Tönen. Es gab Probleme mit der Windversorgung und dem Stimmen der Pfeifen.

1913 entschloß man sich zum erneuten Umbau. Außerdem glaubte man, die barocke Orgel könnte moderner Spieltechnik und dem aktuellen Musikgeschmack nicht mehr genügen. Die Eberswalder Orgelbaufirma Albert Kienscherf wurde mit den Umbauten beauftragt, die aus heutiger Sicht zu bedauern sind. Zum Glück blieben aber ein großer Teil des originalen Pfeifenwerkes, das alte Gehäuse mit der Wappenkartusche und den Putten als Bekrönung sowie die Balganlage von 1760 von dem Eingriff verschont.
Kienscherf baute eine pneumatische Traktur ein, erweiterte die Disposition auf zwei Manuale und Pedal mit 15 klingenden Registern und veränderte Teile des Gehäuses. Er zerstörte aber nicht die grundlegende Konzeption des Werkes, so dass die Restaurierung und Teilrekonstruktion möglich bleiben und erstrebenswert sind.

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Orgeln in der Uckermark

Jedem an alten Kirchen und Orgeln interessierten Menschen sind die regionalen und baulich-klanglich so typischen Orgellandschaften ein Begriff. Spricht man von Sachsen, so fallen unweigerlich die Namen Gottfried Silbermann und Zacharias. Sachsen-Anhalt kann sich seines Friedrich Ladegast rühmen, die Thüringer ihres Orgelbaumeister Tobias Gottfried Heinrich Trost. Spricht man allerdings von der Orgellandschaft Brandenburg, herrscht betretenes Schweigen. Erst seit zwei Jahrzehnten kommt  langsam Licht ins Forschungsdunkel.

Dabei hatte sich auch in der Mark Brandenburg zu Beginn des 18. Jahrhunderts eine eigene Orgelschule entwickelt. Ihr “Stern” war Joachim Wagner, der als Silbermannschüler 1719 nach Berlin kam und mit der Orgel der Berliner Marienkirche die Keimzelle des märkischen Orgelbaus schuf. Im Landkreis Uckermark befindet sich noch eine beträchtliche Zahl von Orgeln des 18. Jh. aus der Werkstatt Wagners und seiner Gesellen. Die bedeutendste von ihnen ist die Wagner-Orgel aus den Jahren 1742-1744 in der Angermünder Marienkirche. Dank vorbildlicher Restaurierungs- und Reparaturarbeiten ist sie auch heute noch konzertfähig und der Mittelpunkt der traditionellen Angermünder Sommerkonzerte. Weniger gut geht es den kleineren Orgeln, an denen vielerorts wenig bis gar nichts getan worden war. Diese “Armut” ist heute unser “Reichtum”, denn so blieb ein bedeutender Teil der Originalsubstanz erhalten.

Wie für Wagner typisch, befinden sich ähnlich einer Pilzkultur meist kleinere Instrumente im Umkreis einer größeren. so in der Dorfkirche zu Felchow (1745), in Flemsdorf (1745), in Sternhagen (1736) – eine Umsetzung des 19. Jh. aus Gramzow – und erst vor drei Jahren konnte eine weitere Wagner-Orgel in Wartin an der Randow verifiziert werden. Wagner-Schüler wie Ernst Julius Marx ( Orgel in Falkenhagen, 1770) und eben Johann Peter Migendt  (Orgel in Ringenwalde, 1760), haben ebenso den Orgelklang der Uckermark mitgeprägt.

Nein, man muß kein Musikwissenschaftler sein, um den ganzen Reichtum der uckermärkischen Orgeln zu erkennen. Man muß einfach nur mit dem Herzen hören und dann handeln. So könnte es gelingen, die Orgeln in der Uckermark wieder zu dem zu machen, was sie sein sollten: klingende Visitenkarten der Orgellandschaft Uckermark und damit Kulturbotschafter einer einzigartigen Brandenburger Region.

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Joachim Wagner

Wagner, Joachim, Orgelbauer in Berlin, * 13. April 1690 in Karow bei Genthin, + 23. Mai 1749 in Salzwedel. Er wurde als Sohn des Pfarrers Christoph Wagner (1653 – 1709) und seiner Ehefrau Anna Dorothea Tiefenbach geboren. In welcher Werkstatt er das Orgelbauhandwerk erlernte, ist unbekannt. Möglicherweise hat er in Magdeburg bei dem Schnitger-Schüler Matthäus Hartmann (gest. um 1745) oder bei Christoph Treutmann I (um 1673 – 1757) gearbeitet. Geprägt worden ist er durch die heute nur noch bruchstückhaft rekonstruierbare mitteldeutsche Orgelbautradition. Seit 1970 ist erwiesen, daß er darüber hinaus zwei Jahre lang als Geselle bei Gottfried Silbermann in Freiberg tätig war.

Für seine Karriere waren offenkundig sein älterer Bruder Johann Christoph (1683 – 1750, seit 1710 Amtsnachfolger des Vaters) und vor allem sein jüngerer Bruder Friedrich Wagner (1693 – 1760) von Bedeutung. Letzterer studierte seit 1712 an der pietistisch geprägten Universität Halle, war anschließend Lehrer am von August Hermann Francke gegründeten Pädagogium, seit 1719 Feldprediger in Berlin, 1721 Superintendent in Nauen, 1732 Propst in Stargard und 1736 Hauptpastor an der Hamburger Michaeliskirche (seit 1743 zugleich der Vorgesetzte Telemanns).

Joachim Wagner vollendete 1723 in der Berliner Marienkirche sein Meisterstück, das bereits 1721 durch Johann Porst eingeweiht worden war. Er wurde fortan der mit Abstand bedeutendste Orgelbauer der Barockzeit in Preußen, da sich insbesondere während der Regierungszeit des Soldatenkönigs Friedrich Wilhelm I. (1713 – 1740) günstige Bedingungen boten. In seiner Berliner Werkstatt entstanden Instrumente, die mitteldeutsche und norddeutsche Elemente miteinander verbanden und fortentwickelten. Das im hochbarocken Orgelbau Norddeutschlands gepflegte Werkprinzip wurde jedoch zugunsten der Klangverschmelzung und eines einzigen Gesamtgehäuses aufgegeben, ebenso die noch von Silbermann verwendete modifiziert mitteltönige Stimmungsart. Zu den klanglichen Besonderheiten gehören die kräftige Intonation, das gut besetzte Pedal (ohne Pedalkoppel), terzhaltige Mixturen und die in einigen Instrumenten gebauten Manualtransmissionen. Im Laufe seines Lebens erbaute er über fünfzig individuell gestaltete Orgeln, so daß auch unter den einmanualigen Instrumenten keines dem anderen vollkommen gleicht.

Sein Wirkungsbereich erstreckte sich neben den Residenzstädten Berlin und Potsdam auf die gesamte Mark Brandenburg einschließlich Altmark (Werben, Salzwedel) und Neumark (Königsberg), ferner auch auf Pommern (Stargard, Wartin), das Herzogtum Magdeburg (Magdeburg, Jüterbog) und Norwegen (Trondheim). Das größte Werk errichtete er 1724 bis 1726 mit 50 Registern auf drei Manualen in der Berliner Garnisonkirche (1892 umgebaut, 1908 verbrannt). Von dieser Orgel ist sowohl ein Kupferstich als auch eine detaillierte Beschreibung vorhanden, die für Berlin die älteste instrumentenkundliche Veröffentlichung darstellt. Die durch Wagner begründete Tradition wurde durch seine Schüler und Mitarbeiter Peter Migendt (um 1703 – 1767), Ernst Marx (1728 – 1799) und Gottlieb Scholtze (um 1713 – um 1782), außerhalb der Mark Brandenburg durch Heinrich Andreas Contius (1708 – 1795) fortgeführt. Nachweislich hat Johann Sebastian Bach am 8. Mai 1747 an der relativ kleinen Wagnerorgel der Potsdamer Heiligengeistkirche konzertiert. Die Orgelwerke seines Sohnes Carl Philipp Emanuel Bach entstanden im Umfeld der 1755 von Ernst Marx und Peter Migendt erbauten Hausorgel der Prinzessin Anna Amalia, die sich heute in Karlshorst befindet.

Alle diese Instrumente sind überaus wertvolle Zeugnisse einer hochentwickelten Musikkultur. Durch Brände, mangelnde Pflege, dem musikalischen Zeitgeist des 19. Jahrhunderts folgende Umbauten und durch die Folgen des Zweiten Weltkriegs sind von Wagner freilich nur noch 15 Instrumente mit mehr oder weniger großem Originalbestand sowie 8 weitere Gehäuse (teilweise noch mit Originalbestand) erhalten geblieben. Insbesondere die Potsdamer Firma Schuke hat sich um die Restaurierung der vorhandenen Substanz verdient gemacht. Die am 26. 8. 2006 in Rühstädt gegründete Joachim-Wagner-Gesellschaft bemüht sich um die Erforschung und Pflege dieses einzigartigen Erbes.

Erhaltene Werke: (Die Zahlen in Klammern geben das Jahr der Fertigstellung sowie die Anzahl der Manuale und Register an). Brandenburg, Dom (1725, II/33). Sternhagen (1736 für Gramzow, I/9). Jüterbog, Liebfrauenkirche (1737, I/14). Pritzerbe (1737 für Militärwaisenhaus Potsdam, I/8). Rühstädt (1738, I/10). Schönwalde bei Nauen (1739, I/12). Trondheim, Dom (1739, II/30). Treuenbrietzen, St. Marien (1740, II/30). Wusterhausen (1742, II/30). Bötzow 1743 (I/10). Angermünde, St. Marien (1744, II/30). Wartin (1744, I/8). Pruszyn [Polen] (1745 für unbekannten Auftraggeber, danach [?] in Warschau, St. Benon, II/7+5). Felchow (um 1745, I/9). Flemsdorf (1745, I/6).

Erhaltene Gehäuse: Berlin, St. Marien (1723, III/40, etliche Register erhalten). Brandenburg, St. Katharinen (1726, III/35). Bad Freienwalde (1728, II/18+6). Zachow [Neumark] (1736, I/8). Jüterbog, St. Nikolai (1741, II/32). Gransee, St. Marien (1745, II/16+6, einige Pfeifen erhalten). Werben (1747, II/27, zahlreiche Pfeifen erhalten). Salzwedel, St. Marien (1749, III/33+6).

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